Der Raebstock (oder Rebstock) an der Rathausgasse 6 in Zofingen ist ein bedeutendes historisches Gebäude mit einer über 400-jährigen Geschichte, das als Kulturgut von regionaler Bedeutung unter Denkmalschutz steht [1][2].
Das Gebäude wurde um 1600 errichtet und wird dem renommierten Zofinger Werkmeister Antoni Stab (1569-1611) zugeschrieben. Stab war einer der bedeutendsten Baumeister seiner Zeit in der Region und prägte das Stadtbild Zofingens massgeblich. Er wird als „verspäteter Gotiker“ bezeichnet, da er in einer stilgeschichtlichen Übergangsepoche wirkte, die vom harmonischen Nebeneinander von Elementen aus Gotik und Renaissance gekennzeichnet war [2][3][4][1].
Das Restaurant Rebstock ist ein viergeschossiges Gebäude unter gekrümmtem Walmdach im spätgotischen Stil. Besonders bemerkenswert sind die architektonischen Details: Die ursprünglichen Fensterumrahmungen mit Falz, Holzkehle und sich durchdringenden Rundstäben mit kerbschnittverzierten Füssen im Erdgeschoss sind bis heute erhalten geblieben. Diese handwerkliche Qualität zeugt von Stabs Können als Steinmetz und Baumeister [1][2].
Das Gebäude wurde bereits am 25. Juni 1949 unter kantonalen Denkmalschutz gestellt und ist als Kulturgut der Kategorie B (regionale Bedeutung) eingestuft, wobei der Schutzumfang integral ist [2][1].
Der Rebstock steht in einer langen Tradition der Zofinger Gastronomielandschaft. Im Jahr 1443 gab es in der Zofinger Altstadt sage und schreibe 38 Gasthäuser und Weinstuben sowie 4 Zunft-Trinkstuben – ein Allzeitrekord. Fast in jedem dritten Haus konnte man damals einkehren [5].
Diese enorme Dichte an Gaststätten führte bereits 1612 dazu, dass der Zofinger Stadtrat erwog, „alle unnützen Gaststätten wegen zu vieler verdorbenen Bürgern abzuschaffen“. 1619 wurde sogar ein Verbot erlassen, wonach Bürger „nicht ohne Not an Werktagen ein Wirts- oder Zunfthaus besuchen“ durften – bei Androhung einer Busse von zwei Pfund (umgerechnet etwa 40 Franken) [5].
Der Name „Rebstock“ (oder „Raebstock“) bezieht sich auf den Weinstock (mundartlich „Rebstogg“) und damit auf den Rebbau in der Umgebung. Tatsächlich hatte Weinbau in Zofingen eine lange Tradition: Bereits 1661 erteilte Bern die Konzession zur Anlage eines Rebbergs von gut 25 Jucharten am Bergli im vorderen Riedtal. 1663 durfte auf der inneren Spitalhalde ein zweiter Südhang mit Reben bepflanzt werden, und 1727 wurde eine Trotte (Weinpresse) unterhalb des Rebbergs gebaut [6][7].
In der jüngeren Vergangenheit durchlief das Restaurant Rebstock mehrere Besitzerwechsel und Nutzungsänderungen.
2007–2023: Das Lokal wurde als „Rebstock Zofingen AG“ betrieben. Ende Dezember 2022 schloss das Restaurant zunächst seine Türen, was in der lokalen Bevölkerung Bedauern auslöste. Ein Leserbrief im Zofinger Tagblatt betonte die wichtige soziale Funktion des Rebstocks als Treffpunkt: „Hier begegneten sich viele Leute zum ‘Prichte’, ‘Höckle’, Jassen, ein Bier oder einen Kaffee zu trinken und eine Zigarette zu rauchen. [...] Der ‘Rebstock’ bedeutete für sie ein Stück Heimat“ [8][9].
2023: Im Juli 2023 erfolgte eine Wiedereröffnung als Vater-Sohn-Projekt. Dominic Aeschlimann und sein Vater Adrian Fehr aus Oftringen übernahmen den Rebstock und planten neben dem normalen Barbetrieb verschiedene Aktivitäten wie Weindegustationen im Weinkeller
[10].
Das Lokal wurde unter dem Namen „Raebstock GmbH“ betrieben, mit Sitz in Oftringen. Der Firmenzweck umfasste die Erbringung von Dienstleistungen im Gastronomie- und Hotelgewerbe sowie Herstellung und Handel mit Lebensmitteln und Getränken aller Art sowie Tabakwaren
[11][12].
2024–2025: Im September 2024 stand das Lokal erneut leer. Seit April 2024 wird die Liegenschaft von neuen Besitzern betrieben, die Suche nach neuen Pächtern lief. Die „Raebstock GmbH“ befindet sich mittlerweile in Liquidation [12][13][11].
Aktuelles Konzept 2026: Im Oanh Café Bistro wird speziell vietnamesischer Kaffee in verschiedenen Variationen angeboten. Der klassische vietnamesische Kaffee, meist als Cà Phê Sữa (Kaffee mit Kondensmilch)
bekannt, wird in einem speziellen Metallfilter, dem sogenannten Phin, zubereitet.
Neben dem vielfältigen Getränkeangebot werden auch kleine Speisen angeboten, darunter kalte Gerichte wie
asiatische Salate und Gỏi cuốn. Gỏi cuốn sind vietnamesische Sommerrollen, die aus frischen Zutaten wie Gemüse, Kräutern, gekochte Garnelen, Schweinefleisch und Reisnudeln bestehen, die in Reispapier
eingerollt werden. Sie werden kalt serviert und nicht fritiert, was sie zu einer leichten Vorspeise macht.
Der Rebstock ist Teil der bedeutenden Zofinger Altstadt, der grössten erhaltenen Altstadt des Kantons Aargau. Die Altstadt erhielt ihr heutiges Erscheinungsbild im 17. und frühen 18. Jahrhundert, als die mittelalterlichen Häuser allmählich durch Gebäude im Barockstil ersetzt wurden. Das Rebstock-Gebäude von 1600 steht damit an der Schwelle zwischen Spätmittelalter und früher Neuzeit [14][15].
Die Lage an der Rathausgasse, in unmittelbarer Nähe zum 1606–1608 erbauten (und 1792–1795 neu errichteten) Rathaus, unterstreicht die zentrale Bedeutung des Gebäudes im historischen Stadtgefüge. Der Rebstock ist heute auf TripAdvisor als Sehenswürdigkeit mit 5 von 5 Punkten bewertet und wird als „historisches Lokal mit viel Charme vergangener Zeiten“ beschrieben [16][17][19].
Die Geschichte des Raebstock Zofingen spiegelt nicht nur die architektonische Entwicklung der Stadt wider, sondern auch die soziale und kulturelle Bedeutung von Gasthäusern als Orte der Begegnung über Jahrhunderte hinweg – eine Tradition, die bis heute die Identität der Zofinger Altstadt prägt [18].
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